Seemännische Begriffe für Laien (versucht) einfach zu erklärt

Da wir immer wieder mit Fachbegriffen um uns werfen, möchte ich auf dieser Seite in einfachen Worten bestimmte Begriffe erklären, die für uns mittlerweile selbstverständlich sind. Aber auch wir haben uns am Anfang geplagt, bis wir dieses Kauderwelsch verstanden haben.

Warum muß ein Strick oder Bendel, oder Schnürle wie wir in Franken sagen hier Schot, Fall oder Leine heißen? Merke: das sind seemännische Fachbegriffe, also gewöhn Dich dran – und sage nie Strick.

Fangen wir mal mit den Grundlagen an. Rechts, links, vorne und hinten gibt es hier nicht! NEVER!

Rechts heißt hier Steuerbord, leicht zu merken an dem R in SteueR, dahingegen links ohne ein R auskommt, nämlich Backbord. Und Steuerbord ist auch immer Steuerbord, egal wir rum wir am oder auf dem Schiff stehen, sitzen oder liegen. Das wird immer gesehen vom Hintern des Schiffes aus, der hier Heck heißt; man spricht hier auch von achtern. Also merke: der Popo vom Schiff ist achtern, das Heck. Vorne ist der Bug. Also quasi da wo bei Eurem Auto der Kühlergrill rumhängt oder beim Moped der Vorderreifen ist (sein sollte).

Der tiefste Punkt am Schiff ist der Kiel. Das ist der Teil mit dem größten Gewicht, der uns schön mehr oder weniger stabil durch das Wasser trägt. Gemessen aus vom tiefsten Punkt des Kiels bis zur Wasserlinie, also so weit, wie das Boot unter Wasser nicht zu sehen ist, das nennen wir Tiefgang. Das ist für uns wichtig, da wir ja nicht auf Grund auflaufen wollen. Da wir einen Tiefgang von 1,95 Metern haben, können wir somit nicht in Häfen einlaufen, die nur einen Wasserstand von 1 Meter haben. Das wird extremst schwierig!!!

Unsere geräumigen Luxussuiten heißen nicht Zimmer oder Kammer, sondern Kabine.  Das Bett ist die Koje. Die Küche heißt Pantry. Das Wohn- und Esszimmer ist der Salon.

Nun gibt es auch Dinge, die so heißen wie wir sie kennen: der Autopilot ist der Autopilot. Gut, wir haben unseren einen Namen gegeben, bei uns ist das Gerda. Auch leicht zu merken,  und es sagt sich schneller: „mach mal die Gerda an!“

Das kleine Beiboot, was bei uns als Paddelboot bekannt ist, heißt hier Dinghi. Dazu gibt es normalerweise auch noch einen kleinen Motor, der 2 – 25 PS hat; so daß man wenigstens nicht unbedingt paddeln muß.

Nun zu den Aufbauten auf dem Schiff:

Der riesige Stecken, der senkrecht auf dem Boot steht und 16 Meter bei uns in die Höhe ragt, ist der Mast. Daran hängt waagerecht angebracht, der Baum. Hier ist das Großsegel „angeschlagen“, also angebracht.

Das diagonal vom Bug zur Mastspitze angebrachte Segel ist ein Vorsegel, oder Genua genannt. Hier gibt es je nach Segeltypen noch viele verschiedene Namen und Varianten, wir fahren eine Genua.

Die Segel werden grundsätzlich nach oben gezogen an den dafür vorgesehenen Leinen, die in diesem Falle dann „Fall“ heißen. Großfall für das Großsegel und Genuafall für das Vorsegel. Die Fallen werden im Mast nach oben geführt, über eine Umlenkrolle geführt und am Ende ist ein Schäkel, der am Segel angebracht wird. Somit können wir das Segel dann hochziehen (=setzen).

Hier verschwindet ein Fall im Mast, bei uns ist die rote Leine links, das Großfall. Dieses ist etwas weiter oben im Mast eingeführt

„Gelenkt“ werden die Segel mittels den dafür angebrachten Leinen, die dann „Schot“ heißen, also Großschot beim Großsegel und Genuaschot bei der Genua. Bei der Genua gibt es zwei davon, eine auf Steuerbord und eine auf Backbord, da wir dieses Segel ja je nach Windeinfall auf die jeweilige Seite bringen müssen.

die Großschot, oben angebracht am Baum, unten auf dem „Traveller“ angeschlagen, mit dem der Baum von „links nach rechts“ bewegt werden kann
unser eingerolltes Vorsegel mit den beiden Schoten

Es gibt noch ein paar andere Fallen und Schoten, mit denen ich euch aber nicht belästigen möchte. Das ist auf jedem Schiffchen auch etwas anders, je nachdem, welche Segel man an Bord hat. Man kann ja nie alles haben (sowohl aus Platzgründen als auch des akuten Geldmangels)

Alles, was wir hier an Leinen bedienen müssen, bedienen wir vormerklich über die Winschen. Das sind diese großen, silbernen „pollerähnlichen“ Dinger, die am Cockpit und am Mast angebracht sind. Da auf die Segel ein sehr großer Druck bei Wind ausgeübt wird, können wir diese nicht von Hand bewegen. Daher werden die Schoten um die Winschen gelegt und mittels einer Kurbel, die Wischkurbel, können wir dann kräftesparend (oder auch nicht) die Segel „dicht holen“. Dicht holen bedeutet, das Segel näher an die Schiffsmitte heranzubringen, was je nach Windeinfall halt von Nöten ist. Fieren dahingegen meint, daß wir das Segel etwas herauslassen, also weg vom Boot. Die Schoten bleiben übrigens immer auf den Winschen liegen und eingeklemmt. Wenn die Genua auf der Steuerbordseite ausgebracht ist, dann wird die Winsch auf der Steuerborseite genutzt und „belegt“, wie wir sagen. Hier ist dann wirklich ordentlich Zug drauf; also Finger weg davon und beim Bedienen aufgepasst, daß da kein Finger reinkommt. Sonst hat man keine 5 Finger mehr, sondern halt a bisserl weniger.

die belegte Winsch auf Backbord mit der Genuaschot, obenauf die Winschkurbel

Aufgemerkt: Gerda haben wir unseren Autopiloten benannt, es gibt aber auch einen Dirk. Nein, kein von uns vergebener Name und auch kein „Er“, sondern „die Dirk“. Die hat die Aufgabe am Schiff, wenn das Großsegel nicht gesetzt ist, den Baum oben zu halten um ihn daran zu hindern einfach nach unten zu fallen. Zu sehen ist die Leine, am hinteren Ende des Baumes und geht hoch zum Mast.

Die Dirk (weiße Leine)

Dann gibt es noch etwas Tüdelkram: Fender sind die tollen „Ballons“, die unser Schiff beim Einlaufen in einen Hafen oder bei Anlegen davor schützen, angeschrammt zu werden.

unsre Fender im Einsatz

Die Pütz ist ein Eimer an der normalerweise noch eine kleine Leine am Henkel angebracht ist. Mit dem kann man dann sich etwas Wasser aus dem Meer holen um zum Beispiel das Deck zu waschen. Deck ist der Boden, auf dem man läuft. Cockpit der Bereich in dem sich das Steuerrad angebracht ist und man sich so aufhält wenn man „oben“ ist.

der Blick des Steuermanns

Steuerrad, wie beim Auto das Lenkrad. Manche, vor allem kleinere Boote, haben hier auch eine Pinne. Daran zu erkennen: wenn kein „Rad“ da ist, sondern nur eine „Stange“ mit der gesteuert wird. Ösfass ist eine Schöpfkelle mit der dann Wasser geschöpft werden kann, nicht alle Boote sind permanent dich und bedürfen hier etwas Aufmerksamkeit.

Die Bilge ist der tiefste Punkt im Rumpf. Sollte Wasser eindringen, sammelt sich hier das Wasser. Nun kann in der Bilge das Wasser mit dem Ösfass abgeschöpft werden. Oder komfortabel mit einer elektrischen Bilgepumpe abgepumpt werden. Es gibt die Bilgepumpe aber auch noch mit Handbetrieb da ja eventuell die Elektrik ausfallen kann. Diese wird dann mit dem Pumpenschwengel bedient, eine Stange die in die eigentliche Pumpe gesteckt wird und mit Auf- und Abbewegungen zur Arbeit animiert wird.

Klemmen klemmen eben Fallen und Schoten, um zu verhindern, daß diese zurück können. Blöcke sind Rollen, die diverse Fallen und Schotten umlenken. Klampen sind massive Beschläge, an den die Festmacherleinen eben fest gemacht werden. Festmacherleinen, die Verbindung vom Boot zum Land/ Steg.

Geschwindigkeit und Entfernungen: Knoten, kurz „kn“ abgekürzt, ist eine Geschwindigkeitsangabe.

1kn entspricht 1,852 km/h. Wie entsteht so ein krummer Wert? Unsere Erde ist ja bekanntlich rund, wir hoffen das weiß jeder, in Längen- und Breitengrade aufgeteilt. Es ist quasi ein feines Netz über den Erdball gespannt wobei jeder Strich dann ein Längen- (Ost/Westrichtung) oder Breitengrad (Nord/Südrichtung) entspricht. Die Angaben sollten mittlerweile alle aus ihren Navis kennen. Die Breitengrade sind dann nochmals unterteilt. Eine dieser Unterteilungen heißt dann Minuten und genau diese Minute hat dann einen Abstand von 1,852 km.

Entfernung ist dann die Seemeile kurz „sm“ abgekürzt, eine Seemeile hat den gleichen Wert 1,852 km. Kommt dem km/h und km an Land gleich.

Wenn von Eurer Seite noch Fragen zu verschieden Begriffen sind, teilt uns das doch einfach mit, und wir werden die Liste erweitern.

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