es geht voran

Lange haben wir nichts von uns hören lassen. Aber wir können freudig erzählen, daß es doch langsam weiter voran geht.

Wir hatten zwischenzeitlich auch schon mal 2 Wochen Arbeitsurlaub – wobei die erste Woche hauptsächlich dafür drauf ging, daß wir richtiges Material bestellen und geliefert bekommen.

Was haben wir jetzt seit dem letzten Bericht geschafft?

Fangen wir an mit Jochen’s größtem Elend, dem Wassertank.

Wie wir bereits erzählt hatten, waren hier an den alten Schweißnähten Oxidationen entstanden, die Jochen ja mühevoll in Kleinarbeit mit Drahtbürste gesäubert hat. Nach langem Recherchieren und sogar Nachfragen bei den Hilfe-Redakteuren der Fachzeitschrift „PALSTEK“ konnte uns keiner sagen, wie und was in unserem Fall das richtige ist. Letztendlich erfahren wir von einem SIKA-Vertreter, daß die gesamte Fläche angeschliffen, dann sofort mit einem Reiniger abgewaschen und final grundiert werden muß. Da dies alles „just-in-Time“ erfolgen muß, damit nicht das Alu gleich wieder eine Oxidschicht bildet, konnte hier nur Tankloch für Tankloch gemacht werden. Ein Loch schleifen, absaugen, reinigen, grundieren, trocknen lassen – nächstes Loch.

Also hat sich alles etwas gezogen.

Nach der Grundierung konnte dann der Endlack aufgetragen werden, natürlich nachdem die Grundierung wieder erst komplett angeschliffen ist. Hier konnten wir uns sogar für eine Farbe entscheiden. Jochen hat sich hier für ein Blau entschieden (Blau macht glücklich), da sieht man auch wenn Dreck reinkommt. Hoffen wir mal das jetzt alles gut ist, die Zeit wird es zeigen.

zur Erinnerung: vorher
grunderit
lackiert

Auch die Dichtung zwischen Deckel und Tank mussten natürlich erneuert werden. Hierzu wurde aus Gummimatten je nach Deckelgröße mühsam mit der Schere ein Rahmen ausgeschnitten und die Schraubenlöcher mit einem Locheisen ausgestanzt. Hier hat uns Johannes unterstützt, der uns wieder einmal besucht hat, um zu sehen, wie weit unser Schiffchen ist und auch mal mit Hand anlegen wollte. Die Werkstatt hierzu war wieder mal unser Wohnzimmer.

zwei Männer beim Basteln

Jetzt müssen wir abschließend „nur“ noch die Deckel wieder alle anschrauben, nachdem wir unsere Löcher haben trocknen und abdampfen lassen. Endlich eine Baustelle, die dann langsam Richtung Ende geht.

Da wir gerade bei den beiden Männern sind: da Jochen mit der Leerrohrverlegung hinter einer Verkleidung nicht so glücklich war, weil die gelegten Lehrrohre doch unsere Motorabluftschlauch ziemlich gequetscht haben, haben die beiden Männer entschieden: das machen wir noch mal neu und vergrößern die Löcher und ziehen die Leerrohre neu. Und schon war unser Arbeitsnachmittag an diesem Tag schon wieder rum – da vergeht die Zeit wie im Fluge und Johannes ist wieder abgereist. Danke nochmals für die Unterstützung.

Weiter ging es auch insgesamt mit unserer Elektrik:

die gesamte 12V-Innenbeleuchtung wurde auf LED-Beleuchtung umgestellt. Auch hier gab es ein paar kleine Schwierigkeiten: die Lichtleisten gibt es nicht genau in der Größe der alten, ausgebauten Leuchten. Also muß auch hier wieder improvisiert werden und aus Kunststoff wurden „Unterlegscheiben“ ausgeschnitten, damit die alten Deckenausschnitte auch wieder abgedeckt sind. Wir haben bei einigen Leuchten auch umschaltbare Farben eingebaut, so daß wir von weiß- auf rot- und sogar blaues Licht umschalten können. Rotes/ blaues Licht ist angenehm, wenn man bei Nacht im Dunkeln Licht benötigt. Da ist rotes/ blaues Licht viel angenehmer für das Auge, da sich dieses nicht von Stockdunkel auf total hell umstellen muß.

es gab auch einen neuen Autopiloten – die „alte“ Gerda mußte, nach langer Überlegung, leider doch weichen.

von oben links: die Mechanik, Messgerät, das den Stand von der Runderanlage weiter gibt, Mitte: das Herzstück des ganzen, die Elektronik, die das Ganze steuert, Rechts: der dazugehörige Kompass, unten links: die Bedieneinheit im Cockpit.

Unsere ganzen Schalter und Kontrollgeräte am Navitsch werden ja auch erneuert, und ähnlich wie bei den Leuchten passen natürlich die ganzen Ausschnitte im Holz nicht mehr. Wo nichts mehr ist, kann man auch nichts befestigen. Also auch hier, schöne Bleche anfertigen und die Löcher schliessen. Wenn Jochen schon in der Metallbearbeitung ist, hat er auch gleich noch unseren „Plotterkasten“ angefertigt. Wir wollen an unserem Steuerstand im Cockpit einen Plotter anbringen, der sich auch schwenken lässt. Hierfür benötigen wir ja eine Halterung, die natürlich vom Metaller korrekt gebaut wird.

ich habe zwischendurch auch mal selbst produktiv was machen dürfen und nicht nur als Handlager parat gestanden: ich habe unser Edelstahlgeländer aufpoliert und alle Flugrostflecken und sonstigen unschönen Ecken damit entfernt. Auch habe ich einmal angefangen, an unserem roten Ralleystreifen den Dreck mit einem Spezialreiniger zu entfernen, daß wir diesen Streifen demnächst neu streichen möchten.

v0r dem Polieren…
…und danach

Es gibt für unser Mädchen auch zwei neue Winschen, da die Großschotwinsch und die Reff-Wisch leider schon am Ende ihrer Lebenszeit angekommen waren. Auch hier wieder: alte Löcher und neue Bohrungen passen natürlich nicht zusammen. Also hat der Skipper auch hier entsprechende Adapterplatten angefertigt.

die neuen Winschen und ihre Adapterplatten

Grosser Jammer…und weiter geht’s

Leider hat uns Ende Dezember kurzfristig die Nachricht erreicht, daß die „BOOT“ nun doch abgesagt wurde, kurz nachdem wir in unserem letzten Beitrag noch darüber geschrieben hatten. Und das trotz 2G-Regelung und vieler anderer Hygienevorkehrungen.

Es durften, zu diesem Zeitpunkt, nur Fachmessen stattfinden – keine Besuchermessen.

Da war der Katzenjammer bei uns natürlich riesengroß. Wollten wir uns doch dort 3 Tage lang aufhalten, informieren und natürlich einkaufen gehen. Nun müssen wir das Ganze mühsam via Internet erledigen. Da kann man halt leider nichts anfassen, drehen, wenden, biegen, bewegen und genau anschauen.

Die Alternative: Urlaub nehmen und quer durch Deutschland alle Fachbetriebe abklappern?!! Aber auch das werden wir irgendwie hinkriegen.

Jetzt fokusieren wir uns halt erst mal auf die Dinge, die wir ohne großen Zukauf erledigen können. Es gibt ja noch genug andere Sachen zu tun!!!

Und so waren wir in den letzten Wochen zwar fleißig, haben aber leider keine großartigen Fortschritte (für uns) erkennen können. Beim jetzigen Aufzählen, was wir jedoch schon gemacht haben, kann man doch sagen – es geht voran.

Ich habe meine Sitzbezüge für die Außenpolster mit Reißverschluß fertiggestellt und als Highlight überall unseren Bootsnamen eingestickt. Also sitzen könnten wir schon, muß nur noch der Kahn untendrunter fertig werden.

Wir haben die Dieseltanks, zweihundertfünzig Schrauben später, geöffnet und leider Gottes viel Schmodder vorgefunden. Ein Wunder, daß wir keine Probleme bei der Überführung mit einer verstopften Dieselleitung hatten.

Den Diesel haben wir abgepumpt und uns bei Tankreinigungsfirmen informiert. Da ja unsere Tanks gleichzeitig unsere Außenhaut und somit aus Alminium sind, kann hier nicht einfach mit irgendeinem Chemie-Reinigungs-Gemisch rangegangen werden. Ein netter Herr, der wohl die Problematik von Alu-Booten kennt, hat dann mitgeteilt, daß sie auch nur in Handarbeit die Wände reinigen würden. Das könnten wir auch selbst machen. Also wirds selbst gemacht.

Unser Steuerbordtank ist unter Deck unter unserer Schlupfkoje. Der Backbordtank ist an Deck unter der Backskiste. Hier muß man richtig reinsteigen. Somit ist das wohl Sabinchens Job, da ich ja der Winzling der Familie bin und da gut reinpasse.

Ich habe dann mit der Spachtel die Wände „abgekratzt“, das ging sehr gut. Das Material war ähnlich wie Schlamm, etwas fester, so daß man das gut abbekommen hat. Natürlich gab es auch hartnäckige Stellen. Aber mit Diesel und abschließend Reiniger haben wir die Tanks ganz ordentlich sauber bekommen. Wir haben dann noch in allen Tanks die Tankgeber eingebaut, damit wir auch mal angezeigt bekommen wie der Füllstand unserer Behälterchen so ist. Bisher mußten wir das, beim Dieseltank, anhand eines schlecht einsehbaren Füllstandsleitung abschätzen. Für Fäkalie und Trinkwasser gab es bisher noch gar nichts.

Der Tank in der Backskiste von oben
so verschwindet Sabinchen darin
der Tank noch mit Füllung
… ohne Füllung
… sauber, soweit möglich 🙂
Der Tank nach der Reinigung mit Tankgeber
von oben, hier der neue Tankgeber

Jochen hat auch den Wassertank, weitere dreihundertsechsundneunzig Schrauben später (beide Tanks wirklich gezählt ;-)), geöffnet, und auch hier großes DRAMA. Der Wassertank war ja vor ein paar Jahren vom Vorbesitzer schon einmal repariert worden. Leider hat Jochen jetzt an den damals gesetzten Schweißnähten „Wucherungen“ entdeckt. Hier oxidierte das Aluminium.

Also hat Jochen jeden Deckel geöffnet, an den wir herankommen, ohne unsere Holzeinbauten im Boot auszubauen. In die Löcher, an die er deswegen nicht „von oben“ rankam, mußte er sich quasi reinwinden und mit Verrenkungen arbeiten.

Er hat jetzt jede Naht mit Schleifwerkzeug und Drahtbürste per Hand bearbeitet und gereinigt, so gut es ging. Im Nachgang müssen wir diesen Tank noch Sandstrahlen und mit einer Beschichtung versehen, damit uns diese Malheur nicht nochmals passiert.

alle Deckel sind geöffnet
das Malheur im Detail
Jochen verschwindet in einem kleinen Loch
so sieht die Naht nach der Reinigung aus

Nachdem diese Drecksarbeit erledigt war, ging es an die nächste – unser Fäkalientank und seine Zu- bzw. Ableitungen.

Mit viel Kraft haben wir diese ausgebaut. Nur wer weiß, wie diese Teile in einem Boot verlegt sind, kann erahnen, welche kräftezehrende und verrenkungsfreudige Arbeit es ist, alles hinter irgendwelchen Einbauten hervorzuzaubern. Hier ruckeln, da wackeln, dort ziehen. Das sind definitiv keine Tätigkeiten, die „man mal schnell zwischenrein“ macht.

Den Fäkalientank, welcher bei uns ein großes Wein- oder Wasserfass ist, habe ich dann mit Bürsten geschrubbt. Den eingegossenen Beton hat Jochen dann erneuert. Dieser dient dazu, daß sich nichts unterhalb des Abflusses ansammelt.

Die „Rohre“, sehr stabile, etwas flexible, geruchsabschließende Kunststoffleitungen hat Jochen dann mit Kraft durch Schlagen auf den Boden entkrümmelt. Auch die ganzen Winkel und Verbindungsstücke würden abmontiert und entsprechend gereinigt.

Das Schlauchmaterial, Vorher, Nachher, der Unrat- ääääh Urinstein

Das ist jetzt alles nicht so schlimm, wie mancher denken mag. Es handelt sich hier um eine recht trockene, geruchslose Arbeit. Die Hauptbestandteile waren Urinstein.

Nachdem der Tank wieder an seinem angestammten Platz auf einem neuen Brett montiert worden war, konnten wir uns wieder mal der Elektrik widmen.

Zunächst haben wir für die 230-Volt-Versorgung die Lehrrohre gezogen, was auch wieder nerven- und kräfteaufreibend war. In so einem Boot sind die Löcher halt auch etwas kleiner. Und wenn dann noch ein paar Kurven und Ecken dabei sind, um die man rum muß sowie kleine Löcher, durch die man durch muss, kann man schier verzweifeln.

Jetzt müssen in diese Leerrohre aber ja auch noch Kabel rein. Unser erstes Kabel, das wir einziehen, ist unser Landanschlußkabel. Nun ja….nach 3 Stunden Arbeit und viel Schmierseife, haben wir aber gewonnen!!!

Das kann ja heiter werden.

Am vergangenen Wochenende haben wir aber ganz schön viel geschafft!

Wir haben den Wechselrichter dann doch aus dem Motorraum ausziehen lassen und einen neuen Platz zugewiesen. Unsere ehemalige Schlupfkoje wird jetzt unser Elektrozentrum.

Hier sitzt ab sofort der Trenntrafo, der Wechselrichter und der Sicherungskasten. Gut zugänglich und zentral neben der Navigationsecke gelegen.

Hier möchten wir gleich mal unserem „Elektro-Guru“ Armin danken, der sich bereit erklärt hat, mit uns die Elektroverkabelung zu planen und auch praktisch dabei zu helfen, daß aus unseren Plänen Realität wird.

Armin war dann auch vor Ort und hat sich mit Jochen dem Anschluß der 230V-Verkabelung gewidmet. Alle Kabel wurden eingezogen, im Verteilerkasten angeschlossen und am Trenntrafo und Wechselrichter entsprechend ein- und durchgeführt.

Fragt mich nicht, ich habe keine Ahnung, von was die zwei da immer reden. Jochen kann das sicherlich besser erläutern. Ich weiß halt jetzt, wo welche Leitungen laufen und mache das, was der Handlanger so macht: er springt, wenn einer ruft und sagt, was er will: zieh da mal am Kabel – ruckel mal am Leerrohr, es hängt – hol mal eine WAGO-Klemme……

der neue Platz: Wechselrichter / Trenntrafo / Sicherungskasten
bequemes Arbeiten ist anders Tschuldigung Rücken
zwei Männer über der Verteilung, die ist bei uns unter den Bodenbrettern

..und das Ergebniss an diesem Tag: wir haben wieder 230V an Bord.

die Arbeiten beginnen

Nun ist es ja schon eine Weile her, daß Ihr was von uns gehört habt; nicht, daß da nix passiert, langsam und stetig geht es voran. Das Mädchen steht schon einige Zeit in der Halle und beginnt langsam zu frieren. Kennt sie so eine kühle Umgebung doch gar nicht mehr, obwohl die Konstruktion für die nördlicheren Breiten gedacht ist. Na, wenn man sich jahrelang nur im Süden rumtreibt…..

Was haben wir denn nun seit August schon alles gemacht? Ehrlich gesagt: viel war es, optisch gesehen, noch nicht.

Gut, wir haben mal alles vom Boot runtergenommen, was da so rumlag. Wir haben inzwischen viele Löcher in unnerm „Klein-Häuschen“ vollgestopft mit Leinen, Aufbauten, Segel, Gummikuh, Polstern, und, und, und.

Unser Hauptaugenmerk bei den Arbeiten liegt ja auf der Kompletterneuerung der Elektrik. Also ging es erst mal daran, unserem „Elektroteam“ das Boot zu zeigen und vorzuführen, was ist vorhanden und was wollen wir. Versuchen, sich über die Komponenten, die gebraucht werden mal schlau zu machen, Angebot einholen … und, und, und.

Dann haben wir inzwischen die gesamten Deckenverkleidungen im Salon heruntergenommen und sind daran gegangen, herauszufinden, welches Leerrohr kommt woher und führt wohin. Was schon ein ziemliches Gefummel war. Einige Abzweige wollen partout nicht preisgeben, wo sie hinführen.

links: so schaute unser Schaltpaneel bisher aus / rechts: ein vorhandener „Schaltplan“

noch Fragen, warum wir das neu machen wollen? Naja, funktionieren tut alles (meistens, ne also schon oft) – aber wir wüssten halt gerne, wo was ist und wollen sicher gehen, daß das die nächsten Jahre auch funktioniert. Ist halt alles schon etwas älter auf unserem Mädchen

auf dem rechten Bild sieht man mal mit und ohne Deckenverkleidung

Ach ja, ich habe mich anfangs auch mal mit den Sitzpolstern für den Außenbereich beschäftigt und diesen alle Schichten an Stoffen abgenommen. Zum Teil waren hier 3 Lagen übereinander „neu gemacht“. Habe diese dann mal gewaschen und mich am „Polsterbezugnähen“ ausprobiert, um zu sehen, wie geht das, daß das hinterher auch „ein Gesicht“ hat. Gut, ich weiß jetzt, wie ich wo hinlangen muß und es sieht auch ordentlich aus. Aber wir sind doch zu dem Schluß gekommen, daß wir die alten Bezüge nicht mehr benutzen wollen und hier in neue Stoffe investiert werden. Eine Aufgabe, der ich mich widmen werde, wenn wir endlich „unseren“ Bezugsstoff gefunden haben.

Die Nähwerkstatt

Jochen hat sich auch mit viel Liebe unserem Dinghi-Motor angenommen, da dieser nicht „rund“ lief. Wenn dieser warm war, hat er nicht gesund geklungen. Irgend etwas stimmte da nicht. Also hat er ihn komplett zerlegt und gereinigt und siehe da – da waren ein paar Späne drin, die da wirklich nicht reingehören. Ein paar neue Lager/ Dichtungen und schon läuft er wieder besser; was wir mal in einem großen Wasserkübel in der Garage vorab getestet haben. Der Belastungstest findet dann mal bei wärmeren Temperaturen statt ;-).

Nun bin ich inzwischen auch mal ein paar Stündchen im Motorraum verschwunden. Jaaaa, ihr lest richtig. Der Bürofuzzi im Motorraum.

Da ich mich aufgrund meiner Körpergröße einfacher zusammenfalten kann, kam mir die Aufgabe zu, das ganze alten Ölgeschmiere, daß sich hier angesammelt hatte, auf den Leib zu rücken, nachdem wir die Flüssigkeitsansammlung mit unserer Absaugpumpe bereits schon abgesaugt und entsorgt hatten. Also ging es mit vielen Lappen und einer Sprühflasche Kaltreiniger auf die Knie und wischen, wischen, wischen. Ich würde jetzt nicht sagen „wie neu“, aber man erkennt schon mal, daß das alles weiß lackiert war und nicht schwarz.

unser Motorraum von oben – hier steht eigentlich der Motorblock drüber – unter allen Blechen muß mal geschrubbt werden. Ihr seht das „schwarze Loch“ in der oberen Bildhälfte. Hier stand der Öl-Schmier-Sumpf drin

wenn unser Motor wieder einzieht, kann er sich über eine einigermaßen „saubere“ Umgebung freuen.

Jochen hat nun schon eine zweites Anzeigendisplay im Cockpit installiert, damit wir nicht immer zwischen den Anzeigen umschalten müssen, sondern auf zwei getrennten Anzeigen alle wichtigen Optionen angezeigt bekommen. z.B. gleichzeitig die Tiefe und die Geschwindigkeit.

links gaaanz neu – dazwischen die „antiken“ Anzeigen – rechts die neue (vor dem Überführungstörn eingebaut)

Auch unser neuer Wechselrichter hat seinen Platz eingenommen.

aus alt…
….mach neu

Es sind jetzt wohl alle Lehrrohre mal identifiziert worden – YEAH. Gleich mal durchnummeriert und überall beschriftet und im Plan eingemalt, wo was ankommt und wo es weitergeht. Nicht daß dieses Wissen gleich wieder verloren geht.

mal alles im Plan reingemalt

Es wurden dann auch noch die Geräte entfernt, die sowieso nicht mehr genutzt werden und die entsprechenden Kabel gleich mit dazu, da wird der Kabelsalat doch auch gleich wieder etwas übersichtlicher.

… und für die große Info- und Shoppingtour auf der „Boot“ im Januar in Düsseldorf sind Zimmer und Eintrittskarten gebucht. Wir werden berichten!

Fred erkundet die neue Heimat

Bevor wir in die Arbeiten an unserer JOSA einsteigen, wollen wir noch einmal das schöne Wetter im September genießen und haben uns entschlossen, unserem Fred 2 doch mal die neue Heimat zu zeigen und ihm vor allem einmal schmecken zu lassen, was Süsswasser ist. Kennt er bisher doch nur das Salzwasser!

Daher schnallen wir unseren Fred auf den Hänger und fahren mit ihm nach Volkach. Dort pumpen wir ihn vollends auf, montieren alles und hüpfen rein.

In Volkach wird der Main geteilt. die Großschiffe fahren durch den Kanal, die Kleinboote , Kajaks etc. können auf dem Altmain fahren. Dieser ist naturbelassen und teilweise sehr flach. Hier sind sehr viele Paddler, auch SUP’s unterwegs.

Also geht es vom Wohnmobilstellplatz in Volkach quer über den Main zur Schleuse rüber. Das noch mit Motor.

in die Kammer fahren wir schon im Leerlauf mit Paddel. Und das war mal wieder Glück!!! Prompt hängt hier in dem ganzen Schmodder ein Angelhaken samt Schnur. Das hätte unserer Schraube nicht gut getan!

ab jetzt paddeln wir auch. Der Main hat hier im oberen Bereich noch genug Strömung, so daß dies nicht sonderlich anstrengend ist (wenn man will – man kann natürlich auch auf Geschwindigkeit arbeiten und ordentlich schwitzen)

und manche drehen Kreise, weil das mit dem gleichmäßigen Paddeln auf beiden Seiten nicht so funktioniert 🙂 Nein, nicht wir – wir kriegen das hin.

vorbei an der „Wasserstelle“ unserer Bundeswehr….mit Blick auf die Vogelsburg

hier gibt es noch viele heimische Vögel, die sich nicht großartig stören lassen – wer beobachtet da wen?

unterwegs dann noch Fähren, andre Paddler, WoMo-Stellplätze

das war noch mal ein schöner Tag auf dem Wasser – erst mal unser letzter für dieses Jahr ……. glaub ich

und Fred 2 hat auch nicht gemeckert – mit Süsswasser kommt er also auch klar

nach getaner Arbeit am Steg in Schwarzenau

Endlich zu Hause!

Nachdem wir am 30.08. Kiel endlich um 17 Uhr verlassen konnten, sind wir nachts um 1 Uhr zu Hause angekommen. Unser Mädchen soll um 6 Uhr eintreffen.

Also gaaaanz schnell schlafen. Außerdem muß ich um 7 Uhr auf Arbeit sein. Ich habe dann erst mal eine Kanne Kaffee gekocht, da die Jungs ja die ganze Nacht durchgefahren sind. Auf dem Weg zur Arbeit bin ich dann an der Halle vorbeigefahren. Und tatsächlich: die Jungs waren schon da und waren schon damit beschäftigt, den Mast mit einem Traktor abzuladen. Schnell Jochen anrufen und etwas zur Eile antreiben – er wollte beim Abladen dabei sein.

Aber dank des Kaffees haben die Jungs erst mal die Arbeit eingestellt 🙂 Zeit gewonnen, bis Jochen dann da ist.

nach 3 Stunden Arbeit steht sie endlich an ihrem Platz.

Jetzt kann es dann endlich losgehen……

zunächst wieder mal das übliche – erst mal leer räumen und alles sortiert irgendwo einlagern und schauen, was zu gebrauchen ist, was repariert werden muß und was entsorgt werden kann.

Wir haben in den Tiefen der Backskiste dann noch überdimensional große Fender gefunden. Haben gar nicht gewusst, wie groß die Kiste eigentlich ist. Wenn also jemand eine Einraum-Wohnung sucht – wir hätten da noch was kleines frei.

Unsere Fendersammlung haben wir dann mal „am Boot“ aufgeräumt

Unsere ganzen Leinen und Schoten sind mit nach Hause gefahren und werden hier mal durchgewaschen – schon sind diese nicht mehr so steif und hart (vom ganzen Salz und Meerwasser).

unser Ausblick, wenn wir jetzt mal „ein Wochenende auf’m Boot verbringen“

und nun geht es dann daran, die geplanten Arbeiten langsam anzugehen…… Wir werden berichten.

Unser Baby fährt heim…

und schon sind wir wieder einmal nach Kiel gefahren, um unser Baby für den Heimtransport vorzubereiten. Sie soll nach Hause in eine Halle, damit wir dort dann die geplanten Umbauten in Ruhe vor unserer Haustüre vornehmen können, ohne jedes Mal erst 600 km quer durch Deutschland zu fahren.

Unterstützung haben wir diesmal von Martin, meinem Bruder, der als Handlanger und „Träger“ fungieren soll.

Wir sind am Freitag abend angereist, damit wir am Samstag gleich früh loslegen können.

Uns so liegt sie vor uns:

Zuerst haben wir am Samstag vormittag einmal das Großsegel abgeschlagen und der Skipper hat das dann gleich mal zum Segelmacher gefahren, damit dieser das Ganze begutachtet und schaut, was zu machen ist.

Dann haben wir die Lazybag abgemacht, sämtliche Leinen, Schoten, Umlenkrollen etc. entfernt und alles vorbereitet, damit der Mast gelegt werden kann.

Der Mast wurde dann unter Kay’s fachmännischer Anleitung vom Boot gehoben. Hierzu ist Jochen erst mal in den Mast gekrabbelt und hat die Schlinge auf halber Masthöhe angebracht. Dann wurden alle Wanten in richtiger Reihenfolge gelöst und der Mast vorsichtig angehoben.

Alles richtig gemacht dank Kay’s langjähriger Erfahrung. Der Mast war gut ausgerichtet und hat in keine Richtung Übergewicht bekommen. Keine Ahnung, ob wir das alleine auch so hingekriegt hätten ……. wir hätten uns zumindest bemüht

jetzt steht unser Boot da, ohne Mast – schon ein trauriger Anblick

Am Sonntag hieß es dann eigentlich nur noch, die Aufbauten abzubauen und den Rest des Tages herumzugammeln. Eigentlich…..

Was mußte alles runter?

Zunächst einmal ging es an die beiden „Körbe“, die um den Mast herumstehen. Die sind eigentlich nur in Hülsen gesteckt und mit einer Sicherungsschraube gesichert. Nur, daß diese Körbe halt schon bald 40 Jahre in ihren Hülsen stecken…..ich weiß nicht, wie lange der Skipper damit herumgekämpft hat. Der Wagenheber unseres Autos wurde ganz schön hart hergenommen, auch der Gummihammer hatte viel zu tun. Ein hartes Stück Arbeit, puh

Dann noch der Träger, auf dem der Baum aufliegt. Kein Problem, das sind nur Schrauben. Auch die Sprayhood war kein Problem, diese wurde bisher ja mindestens 1 x im Jahr abgenommen.

Dann kam aber noch der Geräteträger am Heck mit den Solarpaneelen. Diese selbst waren auch nicht das Problem, auch nicht der Träger auf der Backbordseite. Aber die Steuerbordseite!!!!! Der Träger unserer Radarschüssel ist mittig klappbar, so daß er eigentlich nicht abgebaut werden müsste. Doch leider langt uns die Transporthöhe nicht und er muß irgendwie weg. Doch auch er steckt halt schon jahrelang dort, wo er steckt. Außerdem mußten vorher erst einmal die ganzen elektrischen Kabel zurückverlegt werden, was auch nicht so einfach war. Sind diese doch durch kleine Löcher gezogen worden und z. Teil auch schon festgegammelt. Also wurden unter Deck wieder ein paar Verkleidungen abgeschraubt, Kabel verfolgt und identifiziert und herausgezogen.

Dann sind wir in den hintersten Löcher halb hineingekrabbelt, um Schrauben zu lösen. Das haben wir aber wieder abgebrochen, nachdem ich kopfüber in dem Loch hineingezwängt aufgrund der Enge dann doch leicht panisch wurde. „Versuchen wir doch mal, das Rohr im Loch etwas durch hin- und herdrehen zu bewegen“, war dann mein Vorschlag. Das ging dann auch, nur dummerweise ging dabei ein Kabel zu Bruch (GRRRRR).

Aber letztendlich haben wir auch das geschafft und unser Boot ist jetzt wirklich ganz schön nackig, wie der Vorher/Nachher-Vergleich zeigt.

Für Montag morgen hat sich um 7.30 Uhr (ja, richtig gelesen) der Motorinstandsetzer angekündigt. Denn auch unser Herzstück lassen wir noch entfernen und über den Winter einmal einer Inspektion unterziehen und etwas Pflege angedeihen. (Außerdem ist unser Boot dann gleich noch etwas leichter, was dem Kran hier im Hafen bestimmt auch gefällt).

Also sind mal wieder 2 Männer in unserem Motorraum verschwunden und haben alles so abgetrennt, was da so ab muß: Getriebe, Dieselleitungen, Welle….. (ich gebe zu, ich habe echt keine Ahnung) Ich weiß nur, daß die da so anderthalb Stunden rumgebastelt haben, bevor es hieß: „jetzt holen wir ihn raus“.

Kaum war das erledigt und unser Herzchen lag im Auto, kamen auch schon die Jungs vom Transportunternehmen angerollt und der Hafenmeister fragte an, ob wir soweit wären. Eigentlich hatten wir offiziell ja um 12 Uhr unseren Krantermin, aber je früher wir beginnen, desto besser. Kommen wir früher nach Hause. Denkste!

Denn das Drama nahm nun erst mal seinen Lauf…..

Wir haben diese Spedition ja bewußt gewählt, da die uns einen Lagerbock mit vermieten können, auf dem das Schiff gelagert wird und den sie einfach mit dem LKW aufnehmen können. Das bedeutet, wir benötigen keinen weiteren Kran mehr, um das Boot umzulagern. Das bleibt einfach in seinem Gestell und der LKW fährt quasi „ums Gestell“ und bockt das etwas hoch und dann steht das schön mittig im LKW-Auflieger. Ja, so der Plan.

Also geschwind die Bänder unter dem Boot durchgezogen und das Boot hochgehoben. Hier war dann schon mal unsere erste Erleichterung zu spüren – unser Boot wiegt lt. Bootspapieren segelfertig 15 Tonnen, der Kran ist offiziell für 15 Tonnen ausgelegt, schafft angeblich gut 16 Tonnen. Unser Boot ist ja mit Material voll bis unter die Decke, wir haben extra ja schon die Segel vom Boot genommen, der Motor ist raus. Hoffentlich langt das mit dem Gewicht. Chakka – 15.9 Tonnen – der packt das.

Und ruckizucki steht unser Boot auf dem Trailer.

Jetzt aber das große Drama!!! Der Lagerbock ist eher für modernere Boote mit schmalerem/steilerem Kiel ausgelegt und nicht für so „dicke“ Brummer, wie unserer untenrum so ist. Daher müssen die Stützen weit hochgestellt werden, damit das passt und der Kiel mit dicken Klötzen unterlegt werden. Das Boot steht zwar und würde so auch transportiert werden können – nur leider passt weder die genehmigte Transporthöhe (Brücken etc.!!), ganz zu schweigen von der Durchfahrtshöhe für die geplante Lagerhalle. Hier haben wir 4,45 Meter zur Verfügung. Lt. vorheriger Planung sollten wir bei 4,40 Metern rauskommen. Nun sind wir bei fast 4,60 Metern. So geht das nicht!!!!!

Also wir zweifelhaft nach einer Lösung gesucht, hier waren die Jungs von der Spedition echt bemüht und auch kreativ. Letztendlich wurden in der Werkstatt der Spedition von einem anderen Lagerbock die eingedrehten Stützen um 2o cm gekürzt und zum Hafen gebracht. Hier wurden diese dann getauscht. Dazu mußte allerdings natürlich das Boot wieder von Bock runter, sprich – wieder ins Wasser heben. Das Ganze hat natürlich auch gedauert, bis die neuen Stützen gekürzt und angeliefert wurden. Also – warten. Gehen wir halt mal Fischbrötchen essen – man muß dem halt nur was Positiven abgewinnen.

Das zweite Mal kranen ging eigentlich genauso schnell, wie das erste Mal. Dann wurde halt wieder an der Höhe gefeilt, da unser Boot auf dem Trailer dummerweise nicht da den höchsten Punkt hatte, wo er sein sollte. Wenn das Boot auf dem Wasser liegt, ist der höchte zu messende Punkt unsere Scheibe im Cockpit, was auch als Grundlage für die Durchfahrtshöhe hergenommen wurde. Jetzt war es halt dumemrweise der Bugkorb – und der geht nicht ab, aufgrund der fast 40jährigen Befestigung, wie vorhin schon geschildert 😦 Es fehlen immer noch ein paar Zentimeter.

Also wurde jetzt das Boot am Heck schön mit Hölzern und Gummimatten unterlegt, so daß der Popo noch oben kam und der Bug entsprechend nach unten rutschte. Und siehe da – 4,38 Meter. JUHU -endlich

Jetzt also noch alles verräumen, den Mast aufladen – auch wieder so ein Akt. Der ist lt. Angaben vom Konstrukteur 16 Meter hoch, jetzt haben wir aber schon 16,30 Meter gemessen und dann hängt da ja auch noch die Ganze Technik mit dran rum, so daß der jetzt eigentich 16,90 Meter hat. OMG

Aber auch das haben wir dann irgendwann geschafft.

Der Hafenmeister hat uns dann noch erklärt, daß wir jetzt den Rekord im „längsten Kranen“ in der Saison 2020/21 mit 5 Stunden aufgestellt hätten – normalerweise rechnen die mit 30 Minuten pro Schiff.

Wir konnten dann endlich um 17 Uhr abreisen!!!

endlich alles drauf

3700 Seemeilen später…

Nun, nachdem die erste Arbeitswoche schon wieder hinter uns liegt, wollte ich noch ein kleines Resümee unserer vergangenen Reise ziehen.

Zu aller erst möchte ich mich bei allen beteiligten Personen bedanken, die uns begleitet haben, sei es on Board oder auch bei denen, die Unterstützung aus der Heimat geleistet haben. Sei es durch eine telefonische Auskunft bei Problemen, Garten- oder Postdienst oder auch durch die moralische Unterstützung sowie jeder anderen Hilfestellung; dies auch im Vorfeld oder Nachgang unserer Reise

DANKE das ihr mit eurer Unterstützung dazu beigetragen habt, uns die Reise zu ermöglichen und zu verwirklichen.

Für mich als Skipper ist das erste Anliegen, (und das auch ein sehr wichtiges), daß alle Crewmitglieder gesund und munter an ihrem Ziel ankommen. Wenn dann noch alle gerne wieder kommen würden: alles richtig gemacht. Zum Ersten kann ich nur sagen: 2 Pflaster (eine kleine Schnittverletzung bei der Essenszubereitung) und ca. eine komplette Packung an Reisetabletten (bleibt auf einem Schiff in  acht Wochen leider nicht aus) kann sich sehen lassen. Zum Zweiten kann ich nur sagen, ich habe nichts Gegenteiliges gehört. Auch hier nochmal der Dank an alle Crewmitglieder für ihr umsichtiges Tun und Handeln.

gut ausgestattet, aber zum Glück fast nichts gebraucht…

Für uns war es natürlich auch das erste Mal, daß wir so eine lange Segelreise unternommen haben, mehr als zwei Wochen am Stück hatten wir bis dahin auch noch nicht auf unserm Kerbholz. Das ganze noch unter Eigenregie und Organisation, nicht unbedingt ein leichtes Unterfangen. Aber man wächst mit seinen Aufgaben. Ich kann von mir behaupten, daß ich so etwas nicht bis ist kleinste Detail vorbereite, sondern nur das „Grobe“ und der Rest kommt dann schon. Was bringt mir es im Vorfeld, alles durchzuplanen und dann kommt es doch ganz anders. Gerade beim Segeln gibt es so viele wenn und aber, wo flexibel reagiert werden muss. Das habe ich schon immer so gehandhabt, bei all unseren Urlauben, und bin eigentlich noch nie schlecht damit gefahren. Klar war schon das ein oder andere mal der Gedanke da bei einem unserer Motorradurlaube, nach einem langen und anstrengenden Tag, jetzt in die Unterkunft, die man schon im Vorfeld gebucht hat und Füße hoch. Anstatt in der Urlaubszeit noch was freies zu suchen/ finden. Aber wieviel schöne Momente stehen dagegen, wo man sagt: hier bleiben wir oder wir fahren noch ein Stück weiter.

Zurück zum Thema. Wir haben sehr viel dazu gelernt in den Wochen. Haben unser Boot kennengelernt und Vertrauen in das Schiff bekommen. Es waren ja einige nicht ganz einfache Situationen dabei, die unsere Gute klaglos weggesteckt hat. Die erste Woche unserer Reise war für mich dann auch gleich die Schwierigste. Viele Probleme, die geballt am Schiff auftraten, dazu noch meine weibliche Crew, die zum Teil zum Totalausfall wurde. Ich war schon der Verzweiflung nahe, wenn das so weiter geht, na dann …. Hier hat mich dann Clemens bei Laune gehalten, mit seiner Ruhe und die Unterstützung, die er geleistet hat. Bei einem kurzen Telefonat mit Kay wegen einem elektrischen Problem und einem kurzen „Auskotzen“ bei ihm, kam nur der Satz „es sind doch nur Kleinigkeiten“. Genau diese fünf Worte habe ich mir dann unterwegs noch einige Male in Gedanken gerufen, wie Recht er damit doch hat. Alles konnte soweit ohne größeren Aufwand behoben werden. Einzig das Konto hat etwas geheult, da konnte ich aber drüber hinweg hören. Investitionen die zum Teil schon auf der „To-Do-Liste“ standen, sind halt etwas vorgezogen worden.

Delfine am Boot, die klaren Sternennächte… (das kennt ihr ja schon alle) heben dann auch wieder die Laune, wenn diese mal wieder am Boden liegt. Einzig der zeitliche Rahmen war immer wieder das Thema und ehrlich gesagt ein Dorn im Auge. Wenn wir bedenken, an was für Orten wir doch vorbei gekommen sind, die wir einfach links liegen lassen mussten, die für viele Segler Traumziele sind. Wir könnten heulen.

Mit dem Wetter hatten wir ja auch richtig Glück. Der Wind war und ist ja immer ein Punkt, über den man streiten kann, es hätte auch noch viiieeel schlechter kommen können. Im Großen und Ganzen hat es ja gepasst. Regen hatten wir ja auch nicht wirklich. Den ersten Regen hatte wir erst auf dem Atlantik, Andreas hatte ihn in seiner Wache für ca. 1 Stunde, quasi nix. Wer schon einmal den ganzen Tag bei strömenden Regen gesegelt ist, weiß, von was ich rede. Der erste anhaltende Regen war ja dann auf Norderney, in der Nacht im Hafen. Früh morgens dann noch die letzten Reste beim Ablegen, das wars auf der Tour, erst in Kiel im Hafen gab es dann wieder welchen.

In Kiel angekommen hatten wir dann noch ein paar Tage zum „runterkommen“. So wurde dann noch einmal klar Schiff gemacht, bevor die Familie zum Besuch anstand und mit der wir dann auch noch einen kleinen Segelausflug nach Damp unternommen haben; von ihnen war bis dahin noch keiner auf einem Segelboot unterwegs. Auch hier war alles in Ordnung, und trotz vorheriger Bedenken wegen Seekrankheit blieben alle Seefest.  So verbrachten wir dann auch endlich mal die erste Nacht alleine auf unserem Schiff, bevor es schon wieder ans Packen ging für die Heimreise.

das Ziel unserer Reise: das ein (oder andere) Fischbrötchen vom „Goldfisch“ und ein (oder mehr) Eis vom „Eiswerk“ in Kiel-Schilksee

Ich möchte die Zeit nicht missen, anstrengend aber schön. Jetzt wo die erste Woche danach rum ist, laufen die Vorbereitungen schon wieder für den nächsten Schritt: das Boot soll nach Hause kommen.

Wir werden berichten.

fest in Kiel

Gastbeitrag „gelebter SSS“ von Andi

„Du lernst für‘s Leben, nicht für die Schule.“ Wer in seiner Kindheit mit diesem Mantra malträtiert wurde, weiß wovon ich spreche, wenn es um unnützes Wissen in bestimmten Fachbereichen geht, die man im Leben niemals wieder benötigen wird. Zum Beispiel Kohlenstoffverbindungen: Methan, Ethan, Butan, Propan etc. hat man mir in zarter Pubertät mit psychischen Stockschlägen hochfrequent eingebläut. Wozu muss ich wissen, wie viele Kohlenstoffatome mit welchen Wasserstoffteilchen knutschen? Ich weiß, dass in meinen Campinggasflaschen kein Methan ist, und dass Kühe kein Propan furzen. Der Rest ist mir ehrlich egal.

Im praktischen Leben nützt Einem naturwissenschaftliches Halbwissen ebenso wenig. Als vor einiger Zeit ein Kunde anrief: „Andreas, hast Du Lust eine Reportage zu schneiden? Wir haben einen Film über Bhutan gedreht.“ „Über das Gas?!?“ „Nein Du Dödel, über das Land.“ Ach, es gibt ein Land, das Bhutan heißt? Es sind brillante Momente wie dieser, die mich in der intellektuellen Hochachtung meiner Mitmenschen immer wieder weit nach vorne bringen.

Natürlich fragt sich der geneigte Leser an dieser Stelle, wie der zwangseloquente Autor die Kurve von Butan über Bhutan zum Überführungstörn der Josa bekommen will. Doch Obacht! Das Stichwort heißt SSS.

Für die Nichtsegler unter Ihnen: Hinter der Abkürzung SSS verbirgt sich der „Sportseeschifferschein“, ein Wortkonstrukt, wie es sich nur deutsche Segelverbandsoberamtsratsschimmel (ha, Touché!) ausdenken können.

Der SSS ist die zweithöchste theoretische und die höchste praktische Qualifikation, die man im deutschen Freizeitsegelsport erlangen kann. Geprüft wird einerseits angewandte Praxis wie die Trinkfestigkeit im schicken Hafenetablissement, oder unilaterale Kommandoketten, mit denen die Frau vor dem Anlegen im Hafenbecken lautstark über das Vorschiff gejagt wird, während Mann mit lässiger Eleganz am Steuerrad steht, gelangweilt am Bugstrahlruderhebel knibbelt und mit den Umstehenden durch resigniertes Schulterzucken kommuniziert: Sie kann halt nicht schneller. Und Schuld hat sie auch, wenn das Anlegen mal wieder versemmelt wird.

Auch in theoretischen Fächern wird geprüft, zum Beispiel „Klugschwätzerei und ungefragte Tipps“ (vor allem bei vorgenannten  Hafenmanövern), „Gefährliches Halbwissen in Boots- und Motorentechnik“ sowie quasi allen anderen politischen und sozialen Bereichen des Lebens, und im Fach „Schamlose Übertreibung“, wie beispielsweise aus 3-4 Beaufort schnell eine Windstärke von 7-8 wird, und wie man eine Standard Ostseewelle im Handumdrehen von einem auf vier Meter anwachsen lässt, ohne dabei vor Scham im Hafenkneipenboden zu versinken. Zusatzqualifikation im Bereich „War ich schon, kenn ich schon, hab ich auch schon erlebt.“ können ebenfalls erworben werden.

Das war natürlich nur Spaß und soll den durchschnittlichen deutschen Freizeitsegler in feschem Helly-Hansen-Poloshirt mit maritimen Applikationen keinesfalls verunglimpfen.

Tatsächlich ist die Prüfung zum SSS kein Ponyhof. Die praktische Prüfung durchläuft man zwar (mitunter erfolgreich) schon nach einer guten Woche qualifiziertem Training, die Theorie jedoch kann Monate, wenn nicht sogar Jahre der Vorbereitung einnehmen. Hier geht es um detailliertes Fachwissen in den Bereichen Seerecht, Navigation, Seemannschaft und Wetterkunde. Also lauter Gesetzestexte, navigatorische Finessen und Begrifflichkeiten, die man sich an schier endlosen Abenden mühevoll einhämmern muss, um sie sofort nach bestandener Prüfung wie seekrank wieder über die intellektuelle Reling zu speien.

Eine der typischen zu lernenden Regeln ist KVR 5 (Kollisions Verhütungs Regel), Thema Ausguck: Jedes Fahrzeug muss zu jeder Zeit durch Hören, Sehen, Tasten, Fühlen, Schmecken, Riechen […] ausreichend Ausguck halten.

Ja, genau die Regel die unser Bobbele (nein, nicht der — der andere, der Herrmann) missachtet hat und in gefühlter Führungsposition gefühlte 100 Meter vor dem Ziel gegen ein nicht gefühltes, sondern sehr reales französisches Fischerboot gedengelt ist, was ihm aber nach einer fast kompletten Einhand-Weltumsegelung niemand übelnimmt. Außer vielleicht seine Fans, seine Familie, seine Freundin, seine Sponsoren, alle ihn unterstützenden Verbände und quasi jeder Deutsche, der ein Segelboot von einer LKW-Waschanlage unterscheiden kann. Aber Bobbele ist und bleibt trotzdem unser „Sieger der Herzen“, Missachtung der KVR hin oder her.

Eine andere Regel (KVR 7c) besagt: „Schlussfolgerungen aus unzureichenden Informationen sind zu vermeiden.“ Eine Regel also, die man nicht nur auf seemännische Navigation anwenden kann, sondern getrost auch auf 90% aller deutschen Kneipendiskussionen.

Neben solch sperrigen Gesetzestexten lernt man Kinderreime („Weiß über Rot ist ein Lotsenboot, la lala la la“) und Weisheiten wie „Segel links bringt‘s“ (schreiben Sie das in der Prüfung, und Sie sind automatisch durchgefallen, auch wenn Sie in der Sache völlig Recht haben). Selbst vor nationalem Stolz macht die Gesetzgebung nicht halt, denn hier heißt es: „Das Schiffszertifikat begründet das Recht und die Pflicht, die Bundesflagge von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu führen.“ Ob man beim Setzen des Adenauers (Fachjargon) allerdings leise die Nationalhymne summen soll oder darf, darüber schweigt sich die Gesetzgebung aus.

Gekrönt wird das Prüfungssammelsorium durch die ebenso komplexe wie kleinteilige Navigationsaufgaben, kreuz und quer über und durch den Englischen Kanal, angereichert mit teilweise völlig veralteten Rechnungsweisen für Strömungen und Gezeiten. Internet? Für uns alle Neuland. Auch bei der Prüfungskommission des Deutschen Seglerverbands.

Und genau hier endet die zugegebenermaßen ausschweifende Einleitung, und wir schlittern mit quietschenden Reifen in die Kurve, um den Bogen zum eigentlichen Thema „Überführungstörn“ doch noch zu kriegen.

Mein Kumpel Johannes (Sie kennen ihn bereits — der mit dem Ungleichgewicht zwischen Lateralplan und Bordzeit) fragte neulich, ob ich nicht Lust hätte einen Törn zu machen. Freunde von ihm wollen eine Yacht von Griechenland nach Kiel überführen und suchen Mitsegler.

Natürlich war ich sofort Feuer und Flamme, nahm Google Maps zur Hand und entschied mich umgehend für zwei Seegebiete, die ich unbedingt mitsegeln wollte: Den Golf von Biskaya, und den Englischen Kanal. Da es sich zeitlich sowohl für die Josa als auch für mich gut ausging, folgte ein Online-Meeting mit Sabine und Jochen, das ungefähr so verlief:

„Hallo, ich bin Andreas.“ / „Aha. Willst mit?“ / „Ja, sehr gerne, ich …“ / „Gut. Tschüss.“

Dem Jochen seine (GENITIV!!!!) typisch aufsprudelnde, plaudertaschenhafte Geschwätzigkeit.

Wir einigten uns schnell auf Porto als Einstiegsort (was übrigens nicht die Hauptstadt von Portugal ist, ein weiterer, brillanter Moment meines allumfassendes geopolitisches Halbwissens), und einen ungefähren Tag Anfang Juli, und los ging‘s.

Warum die beiden Gebiete? Genau, wegen des SSS: Die Biskaya gilt als technisch anspruchsvoll und ist allein ob ihrer Weite und der Öffnung zum Atlantik eine der wenigen Möglichkeiten, echtes Blauwassersegeln in Europa zu erleben. Und den Englischen Kanal wollte ich besegeln, weil ich unbedingt das Gebiet in real sehen wollte, wo ich schon 60 bis 80 mal mit dem Finger auf der Karte bzw. dem Bleistift am Navigationsdreieck entlang gefahren war.

Ohne den Leser mit zu vielen Details langweilen zu wollen (sind Sie eigentlich noch wach?), die in epischer Breite auch schon im Online-Logbuch stehen, beschränke ich mich nur auf die Eindrücke, die für mein „gelebtes SSS-Abenteuer“ von Belang sind.

Der erste Tag auf der Biskaya war gleichsam mein erster Ritt auf dem Atlantik, der sehr ambitioniert am Steuer hinter der Hafenausfahrt von Porto begann und todeselendig seekrank, eingeklemmt auf dem Schiffboden zwischen Schrankwand und Motorraum, endete, kurz nachdem ich mein Abendessen gerecht zwischen Atlantik, Klo und Vorschiffskoje aufgeteilt hatte. Als kleinen Tipp kann ich an dieser Stelle nur verlautbaren lassen, dass Sie auf die Frage „Sind Sie seefest?“ niemals mit „Ja!“ antworten sollten, solange Sie nicht auf dem Atlantik bei 3 Meter hoher Welle im Vorschiff geschlafen haben.

Zum Glück ging es mir bereits am nächsten Morgen deutlich besser, um nicht zu sagen, richtig gut, und ich begann die schier unendlichen Weiten der Biskaya vollends zu genießen. Bereits meine erste Nachschicht (also am zweiten Tag, am ersten Tag hat man mich aus vorgenannten Gründen nicht gelassen …) unter atemberaubendem Sternenhimmel, war unvergesslich schön. Und so ging es weiter, Tag um Tag, Nacht um Nacht.

Navigatorische Herausforderungen gab es tatsächlich wenig, aber alleine die Tatsache 5.000 Meter Wasser unter mir, und 300 Seemeilen blau-graues Nichts um mich herum zu haben, reichten aus, mich von Grund auf zu faszinieren. Als dann noch Delphine hinter uns hersprangen, und weit am Horizont sporadisch turmhohes Walgebläse auftauchten, fühlte ich mich vollends in meinem Element, neue Rechtschreibung hin oder her.

Die Gleichförmigkeit der Tage hatte sowohl etwas Beruhigendes als auch viel Meditatives. Kein Internet, kein Telefon, keine Kommunikation mit der Außenwelt. Sonnenaufgang, Sonnenuntergang (festgehalten in ebenso zahllosen wie nichtssagenden Fotos). Und Wellen. Wellen. Wellen. Ab und an mal eine verirrte Möwe und, als Highlight des Tages, ein Schiff am Horizont. Wow! Wer hat eigentlich die EM gewonnen? Keine Ahnung. Mir doch egal (Kroatien war zu dem Zeitpunkt schon ausgeschieden).

Mein persönliches Highlight war die gelebte SSS-Wetterkunde, als wir eines schönen Tages ein komplettes Tiefdrucksystem durchliefen: Aufgestanden bei Nieselregel (Warmfront), dann während des Tages aufklarendes Wetter (Warmsektor), gegen Abend mit aufziehendem Regen und Schlechtwetter am Horizont (Kaltfront) … Wetterkunde in der Petrischale. Von diesem Phänomen war ich so begeistert, dass ich gar nicht aufhören konnte, meine Mitsegler über jedes kleinste Detail zu unterrichten. Was, gelinde gesagt, auf eher verhaltenes Interesse stieß. Dieser Umstand wiederum hielt mich keineswegs davon ab, weiter über Tiefdruckgebiete zu schwafeln. Die anderen konnten ja nicht weg – mitten auf der Biskaya sind die Flucht- und Versteck-Möglichkeiten auf einer 14m-Yacht eingeschränkt.

Obwohl es nichts, aber auch gar nichts zu tun gab (außer die eine oder andere sporadische Wende, gefühlt alle zwei bis drei Tage), wurde es nicht langweilig. Voller Inbrunst malte ich kleine Positionskreuzchen mit Bleistift in die Seekarte, bis die Seekarte irgendwann zu Ende war, und fachsimpelte mit Jochen schon Tage vorher, über den 1000-Seiten starken Reeds 2021 gebeugt, wie, wann und wo welche Atlantik-Strömung herrscht, und wie es optimal in den Englischen Kanal einzufahren galt. Vermisst habe ich in den acht Tagen auf der Biskaya gar nichts … außer meine Freundin Susi. Aber jetzt reicht’s auch mit Romantik.

Der Tag kam, als wir „Ecke Brest“ abbogen, und im Ärmelkanal ankamen. Und hui! Es gab wieder Internet. Für eine gute Stunde. Aber das reichte, um ein paar Nachrichten an die Liebsten zu schreiben (Hallo. Mir geht’s gut. Tschüss.) und sich die wichtigen aber tatsächlich sehr unspektakulären Wetterinformation herunterzuladen.

Der Kanal selbst war ähnlich langweilig wie die Wetterinformationen. All die tollen Tonnen, die ich aus den SSS-Prüfungsfragen kannte, die VTGs (sowas wie Autobahnen für die Großschifffahrt), und wohlklingenden englischen und französischen Kanalinseln, die es zu umschiffen galt, haben wir weder großartig gesehen, noch haben sie uns auf unserem Weg gestört. Ganz großen Spaß hat nur der Gegenstrom gebracht, der uns auf die wanderdünenhafte Geschwindigkeit von sage und schreibe 1,5 Knoten gegenbeschleunigte. Ein Rentnerehepaar mit Rollator wäre locker an uns vorbeigezogen, und hätte dabei noch die Apotheken-Umschau lesen können.

Zugegeben, ich habe mir die Städtchen mit den wohlklingenden Namen wie Cherbourg, Cap D‘Antifer und Le Havre romantischer vorgestellt. Tatsächlich sind es keine kleinen Fischerdörfchen mit sonnengebräunten Franzosen in blau-weiß gestreiften Hemden, die ein lustig Liedchen auf den Lippen am Strand Doraden und Kabeljau aus Fischernetzen fummeln, während junge Damen im frischen Brigitte-Bardot-Look das gleichsam frische Fanggut den Gästen in offenen Körben und eben solchen Dekolletés lächelnd feilbieten, sondern es sind hässliche graue Industriekomplexe mit braunem Smog über einem Horizont voller Schornsteine. Realität? Check! Zu sagen, Cherbourg hatte in „Saving Private Ryan“ mehr Charme als heutzutage, ist natürlich nicht angebracht. Aber irgendwie zutreffend.

Trotzdem habe ich auf dieser Reise sehr, sehr viel gelernt und noch viel mehr erfahren. Zum Beispiel, dass französische Treibnetzfischer einen Scheiss (Merde!) darauf geben, das seemännisch korrekte Signal zu setzen (s. Abschnitt: Unser Bobbele), aber einen trotzdem ganz lieb anfunken, wenn man deren Steuerbordschwenkmanöver stören könnte. Seglerisch und SSS-technisch hat mich der Törn weit nach vorne gebracht. Allein das ständige Rumgedrücke auf dem schnieken, neuen B&G Plotter mit den tollen Funktionen und dem Piep! hat mir richtig Spaß gemacht. Und einen Schokoriegel hat man mir für die Nachschicht auch gegeben.

Wann hat man schon mal die Gelegenheit, mit sich, der Welt und allem Drumherum in völligem Einklang nur so dahin zu segeln, und alles das zu Erleben was man nur aus der drögen Theorie kennt?

Danke nochmal, dass ich mitfahren und dieses unvergessliche Ereignis miterleben durfte. Und ehrlich, ich scheiss auf Eure Sterne.

Kurve gekriegt?

Mast und Schotbruch auf Euren seglerischen Wegen,

Andreas

Dieser Gastbeitrag wurde größtenteils während langer Nachtschichten unter Zwangsentzug von Alkohol und Zigaretten an Bord der Josa geschrieben. Daher bittet der Autor um Verzeihung für Länge und konfusen Inhalt. Verrückt war ich schon vorher. Jetzt bin ich wahnsinnig.

Sabine: lieber Andi, vielen Dank für Deine Mitfahrt und Deinen Versuch, mich an Deinen Wetterkenntnissen teilhaben zu lassen. Ich hab mir schon einiges gemerkt :-). Vielen Dank auch für Deine tollen Bilder und Videos. Gut zu Wissen, daß wir für alles einen entsprechenden Profi an Bord hatten. Sei es Lateralplan oder Wetter……..

Tag 51 – NOK – Kiel

So, unser letzter „Fahrtag“ ist angebrochen. Heute gibt es nichts spannendes zu berichten. Wir fahren halt 100 km durch einen Kanal, was für uns relativ langweilig ist, da wir dies jetzt schon mehrfach gemacht haben. Für Erstbefahrer ist es vielleicht noch relativ interessant.

Gegen 7.15 Uhr haben wir in Brunsbüttel abgelegt, da wir ja ca. 10 Stunden für den Kanal brauchen werden. Hinzu kommt ja das Schleusen auf der Kieler Seite.

vor uns liegen 100 km Kanalfahrt

Die einzig aufregenden Begegnungen sind die, wenn uns ein Großschiff überholt oder entgegenkommt.

für heute nachmittag war Regen vorhergesagt. Und so wie es aussah, braute sich auch etwas zusammen. Doch wir hatten wie immer auf der Überfahrt Glück, und bekamen nur 3 Tropfen ab. Das Wetter zog vorbei.

spannender wurde es dann wieder vor der Schleuse Kiel-Holtenau, wo schon einige Segelboote in der Warteposition lagen. Wir wußten, daß wir noch auf das große Containerschiff warten müssen, da hinter uns im Kanal fuhr – die „Calisto“. Ein Riesenklotz! Als dieser dann in der Schleuse fest war, kam über Funk der Aufruf, daß die Sportboote einfahren sollen. Wir waren Erster!!!!

Dann hieß es nur noch – Ziel Schilksee! Festgemacht im Olympiahafen am Steg der Segelschule Sailaway.

da liegt sie friedlich

wie wir es auf unserer Überfahrt so gewohnt waren, wurden wir auch an diesem Abend wieder mit einem Feuerwerk begrüßt 🙂 Diesmal jedoch kein künstliches, sondern vom Wettergott selbst inszeniert.

Flaggenparade, neben dem Trans-Ocean-Vereinswimpel unsere besuchten Länder in korrekter Reihenfolge

Wir sind glücklich, daß wir diese Überführung so gut gemeistert haben und alles heil in Kiel angekommen ist. Vielen Dank an alle Crewmitglieder für Eure Unterstützung und diese tollen 7 Wochen. Vielen Dank auch an alle, die uns in anderer Form unterstützt haben, sei es bei den Vorbereitungen oder die, die zu Hause auf alles aufgepasst und gepflegt haben.

Tag 50 – Norderney – Brunsbüttel (NOK)

Heute war dann Start um sechs Uhr, es sollte nochmals eine lange Tagesetappe werden. Raus noch mit dem letzten ablaufenden Wasser, sprich: der Strom schiebt uns noch ein wenig an. So können wir dann draußen auf See die vollen sechs Stunden mitlaufenden Strom Richtung Norden mitnehmen. Es entwickelte sich dann auch zu einem perfekten Segeltag, die Welle nicht allzu viel und Wind mit 4 – 5 Bft schön von der Seite (Halbwind). So konnte unsere alte Lady nochmal zeigen, was in ihr steckt. Wir haben dann auch die 45 sm vom Ablegen bis zu Elbmündung in unter 6,5 Stunden zurück gelegt. Nicht schlecht, wie ich finde.

der Skipper macht gut Fahrt, Im Elbfahrwasser sind dann die Pötte wieder richtig nah

Im Elbfahrwasser ging es dann auch noch unter Segel weiter. Dachten wir noch, daß das segeln bis zum ersten richtigen Kurswechsel möglich wäre, drehte der Wind sogar mal zu unseren Gunsten und blieb uns bis Cuxhafen gewogen. Ab hier war dann Maschinenfahrt angesagt, aber hauptsächlich, weil der Wind dann nachgelassen hatte und uns der Gegenstrom von der Elbe so langsam zeigte, was er so drauf hat. Cuxhafen war ja eventuell eine Option, um in den Hafen zu gehen. Da wir aber heute so gut voran gekommen sind, hieß unser Tagesziel Brunsbüttel, also weiter geht´s.

eine Fahrwassertonne in der Elbe / der machte gut Welle

So ca. eine Stunde vor Brunsbüttel (hier ist auch gleichzeitig die Schleuse zur Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal, kurz NOK), haben wir dann auch schon am Funk mitgehört, was da an der Schleuse so los ist. Die letzte Stunde dahin wurde aber auch ganz schön zääähhhhh, wir hatten mittlerweile über 3 kn Gegenstrom. Eine halbe Stunde vor geplanter Ankunft sahen wir schon einen Frachter und ein paar Segelboote in Warteposition zur Schleuseneinfahrt, der Frachter setzt sich in Fahrt zum Einfahren. Dazu muss man erklären, daß die Großschifffahrt zuerst in die Schleuse einfährt und wenn diese dann fest liegt, die Sportschifffahrt folgt. Wir, das wird wohl nix mehr, daß wir das rechtzeitig schaffen. Also ran an die Funke und mal höflichst beim Schleusenwärter angefragt ob er uns denn noch mit reinnimmt. Er, „ja klar, ihr seit aber ganz schön langsam, macht mal hinne“ (wie gesagt wir hatten über 3kn Gegenstrom „kotz“). Also haben wir unserer betagte Maschine mal die Sporen gegeben, um nochmals ein bisschen mehr zu zulegen. Wir rein in die Schleuse, mit uns kam von Hamburg aus zeitgleich noch ein anderer Segler, und schon gingen die Tore zu. Glück muss man haben. Es kann hier nämlich durchaus vorkommen das man über 2 Stunden auf die Schleusung warten muss, uns auch schon selbst passiert. Einen guten Tag beim Schleusenwärter erwischt, die machen auch mal die Schleuse vor der Nase zu. Dankeschön.

Anfahrt Schleuse Brunsbüttel / drin neben der Großsschiffahrt / Ausfahrt

Dann noch hinter der Schleuse ums Eck und in dem Hafen festmachen, Anleger trinken, Essen kochen und verspeisen, duschen und GUTE NACHT.

Es hat dann noch mal kurz getröpfelt, entsprechend hatten wir noch einen Regenbogen

Hafen Brunsbüttel, direkt an der Schleuse