Bootsgastbeitrag – „Aus dem Leben eines Leichtmatrosen“ – des Dramas erster Teil

Die Hälfte meines ausgedehnten vierwöchigen Aufenthalts auf der Josa ist bereits vergangen, was Jochen dazu veranlasst hat, mir einen kreativen Auftrag zu erteilen. Ich solle doch einfach mal einen Gastbeitrag verfassen und „meinen Gedanken freien Lauf lassen“. Wenn der wüsste, was dann normalerweise für Sachen dabei rauskommen, würde er sich seine Wortwahl vermutlich nochmal genauer überlegen. Maschinenbauer werden ja bekanntlich drei Jahre alt, ab dann wachsen sie nur noch und das Spielzeug/der Unfug wird ebenfalls größer. Aber kommen wir zum eigentlichen Thema – dem ersten Abschnitt der vierwöchigen gemeinsamen Reise. Hinter uns liegt eine sehr abwechslungsreiche und erlebnisreiche Zeit, aus der ich gerne ein paar Eindrücke wiedergeben möchte.

Los ging das zweiteilige Drama (altgriechisch „Handlung“ – muss also nicht zwangsläufig negativ sein) ja mit einem sehr unverhofften Anruf mitten im März. Ich saß gerade an einem Freitagabend nach einer langen Dienstreisewoche in Hamburg am Flughafen, als mein Telefon läutete und Jochen mich etwas unerwartet fragte, ob ich nicht bei einem Segeltörn mitfahren wolle. Das mit dem Bootskauf sei nun alles soweit erledigt und der Pott müsse aus Griechenland nach Kiel. Die Idee klang für jemand leicht Übermüdeten geradezu hervorragend, ich war im Gegensatz zu allen Arbeitskollegen sofort absolut begeistert und auch gewillt gleich einen längeren Ausflug daraus zu machen. Es zog zwar noch einige Diskussionen nach sich, aber am Ende gab’s auch von der Seite her grünes Licht und es konnte losgehen. Einige Monate später saß ich dann auch wirklich im Flieger nach Malle und begab mich ins Unbekannte. Vier Wochen am Stück Segeln, sowas hatte ich noch nie gemacht. Die eine oder andere Nacht durchsegelt, klar. Auch mal ein paar Tage am Stück in Wechselschichten gesegelt, logo (witzigerweise im vergangenen Jahr ebenfalls mit Sabine und Jochen). Aber so lange am Stück, so weit draußen, über vierstellige Meilenzahlen und dann auch mit so kleiner Crew – das war bisher noch nie. Da stellen sich einem dann plötzlich ganz viele Fragen. Es geht bei so primitiven Fragen los wie „Wie viele Unterhosen muss ich da eigentlich einpacken?“ oder „Ob wohl zwei Flaschen 50+ Sonnencreme ausreichen?“ und endet dann bei „Werde ich danach problemlos in die Zivilisation zurückfinden?“. Und nach zwei Wochen kann ich auch zumindest vorläufig sagen, dass es nicht unbedingt weniger werden, aber einige davon stellen sich als geradezu trivial heraus, andere werden mich vermutlich noch länger beschäftigen.

Da mir aber grade schon der Skipper im Nacken sitzt – wir müssen jetzt ja auf unseren längsten Schlag über die Biskaya – muss ich mich vorläufig auf die einfachsten Fragen beschränken. Der Rest kommt dann aus dem Zug von Cherbourg nach München als des Dramas zweiter Teil.

Sieht man auf so einem Törn eigentlich Delfine? Ja, fast jeden Tag/Nacht und dann auch sogar verschiedene Arten. Manchmal schwimmen sie auch stundenlang neben dem Rumpf mit, nur um sich kurz vor der Schichtübergabe an Sabine dann zu verdrücken.

Ist der Atlantik ganz anders als das Mittelmeer oder die Ostsee (andere Gewässer kannte ich zuvor noch nicht)? Ne, eigentlich nicht. Flaute haben und Motoren kann man eigentlich überall. Die Wellen können genauso kurz und fies sein, ab und zu gibt’s auch mal längere Dünung mit gemächlicherem Geschaukel, aber ansonsten ist eigentlich kein wirklicher Unterschied festzustellen.

Kann man auf dem Boot schlafen und wenn ja, wie gut? Ja, grundsätzlich schon, es kommt aber massiv auf die Schlafplatzwahl innerhalb des Bootes an sowie auf den genauen Aufenthaltsort des Bootes. Ich habe schon fast alle Schlafplätze durchgetestet, lediglich die Verhandlungen über einen Test der Eignerkojen treten aktuell ein wenig auf der Stelle. Jedenfalls im Hafen kann man eigentlich überall schlafen. Da tut es notfalls auch der Stuhl am Kartentisch. Auf See schaut’s da leider ganz anders aus. Da wird dann die geräumigste Loft im Vorschiff mit Kingsize Liegefläche zum bockigen Pony, das einen bei jedem bloßen Einnicken sofort wieder aus dem Schlaf reißt. Oder die Hundekoje, die im Hafen auf Malle zur finnischen Sauna mutiert oder unter Motorfahrt mit einer einmaligen akustischen und geruchstechnischen Kulisse aufwarten kann. Am besten kann ich eigentlich die Plätze in der Messe empfehlen, die sind zwar etwas kleiner und man wird regelmäßiger geweckt, dafür schaukeln sie nicht ganz so schlimm.

Wie ihr schon seht – ganz viele Fragen und es werden auch nicht weniger. Aber ich werde mich bemühen, alle korrekt und wahrheitsgemäß bis zum Ende des Törns zu beantworten und mich dann auch der Frage aller Fragen widmen, ob ich einen Aufenthalt an Bord der Josa weiterempfehlen würde. Bis dahin müsst ihr euch aber noch ein wenig gedulden, wir gehen jetzt voraussichtlich für ne gute Woche nochmal in die Selbstisolation ohne Handy und mit extra viel Wellen…

Johannes

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